Montag, 12. Juni 2017

(Warum) dürfen die überhaupt wählen?

Dürfen die überhaupt wählen?

Eine Frage, die ich bei meinen Seminaren zu Wahlen für Menschen mit Behinderungen schon öfters gehört habe, auch von Journalist/innen, die über diese Seminare berichten. „Warum dürfen die überhaupt wählen?“
Meine Standardantwort: verfolgen Sie das Seminar, stellen Sie den Teilnehmern Fragen, stellen Sie dann aber dieselben Fragen den „normalen“ Menschen auf der Straße, bevor wir über eine Aberkennung des Wahlrechts reden. Natürlich sind die Menschen, die meine Seminare besuchen, nicht repräsentativ, ich stelle aber oft ein großes Interesse und eine große Sensibilität für politische Themen fest, ich sehe also keinen Grund pauschal Menschen vom Wahlrecht auszuschließen.


Die Rechtslage: rund 80.000 Menschen dürfen nicht wählen 

Die Rechtslage ist eindeutig: (nur) Menschen, die einen Betreuer für alle Lebenslagen haben, dürfen nicht wählen. In Deutschland gibt es rund 80.000 Menschen, die einen Betreuer in allen Lebenslagen haben und deshalb nicht wählen dürfen. Nach Erfahrungsberichten wird dies oft chaotisch gehandhabt: Menschen, die eigentlich nicht wählen dürfen, bekommen die Unterlagen – Wahlberechtigte wiederum nicht.
Ebenso eindeutig aber auch die Forderung der Behindertenrechtskonvention: Es darf keinen Ausschluss vom Wahlrecht geben! Verbände und Politiker/innen, darunter Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt fordern dies auch für Deutschland.
Einen weiteren Weg zur Umgehung des Ausschlusses mahnen viele Behindertenvertreter/innen an: viele Menschen bräuchten gar keinen Betreuer für alle Lebenslagen und könnten so dem Ausschluss und die damit verbundene Entmündigung umgehen.

Die Gefahr der Beeinflussung – helfen lassen, aber selber entscheiden

Es gibt zweifellos die Gefahr, dass Menschen mit Behinderungen durch Betreuer oder Familie beeinflusst werden. Aber auch hier sehe ich keine großen Unterschiede zur „normalen“ Bevölkerung. Dennoch finde ich diesen Punkt besonders wichtig: „Lassen Sie sich helfen, entscheiden Sie aber selber“ ist deshalb ein wichtiger Appell bei meinen Seminaren.

Interessante Artikel zum Thema Wahlausschluss

Der Spiegel hat in einem interessanten Artikel berichtet, dass Nordrhein-Westfalen der Wahlausschluss für die Landtagswahl aufgehoben wurde und Menschen mit Behinderungen erstmals wählen durften.
Differenziert argumentiert auch die Süddeutsche in der Samstag-Ausgabe des letzten Wochenendes:
Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen Artikel, der die einseitige Benachteiligung beseitigen würde. Ein Professor fordert in einem Artikel einen Wissenstest und würde so die Gleichbehandlung herstellen – das ist dann wenigsten konsequent.

Freitag, 2. Juni 2017

Broschüren der Bundeszentrale zur Bundestagswahl

In der Reihe „Politik einfach“ hat die Bundeszentrale für politischen Bildung Informationen in leichter Sprache zur Bundestagswahl herausgebracht.


Heft „Einfach Politik – Bundestagswahl“

Mit 40 Seiten ist das Heft deutlich länger und ausführlicher als bisherige Ausgaben. Zu Beginn wird der Bundestag und der Wahlkampf erklärt. Ausführlich wird auf den Wahlvorgang eingegangen – besonders wichtig hier die Erklärungen zur Briefwahl.
Gut gefallen haben mir auch die Erklärungen zu den Folgen der Wahl und die Gründe, warum wir unser Wahlrecht nutzen sollten.


Plakat zu Bundestagswahl

Auch das Plakat zur Bundestagswahl kann ich empfehlen.  Auf zwei Seiten wird die Wahl erklärt und jeweils recht anschaulich der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme sowie das Wählen im Wahllokal bzw. Briefwahl erklärt. Diese könnte z.B. am schwarzen Brett ausgehängt werden, damit sich Interessierte informieren können.
Mein Fazit: unbedingt bestellen – auch die anderen Themen in dieser Reihe (Flüchtlinge, Europa, Grundrechte) sind empfehlenswert!
Sie können die Informationen bestellen (kostenlos, Sie müssen lediglich Porto bezahlen) oder downloaden.
Heft: http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/info-aktuell/247719/bundestagswahl-2017
Plakat http://www.bpb.de/shop/lernen/248345/einfach-politik-bundestagswahl-2017

"Info aktuell" zur Bundestagswahl

Die neueste Ausgabe von „Info aktuell“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Bundestagswahl. Sie ist zwar nicht in leichte Sprache verfasst, aber dennoch eine wichtige Informationsquelle, da anschaulich über unterschiedliche Aspekte der Wahl berichtet werden. Die Ausgabe erläutert auf verständliche Weise Funktionen, Prinzipien und den Ablauf der Wahl. Eingehend erklärt der Autor auch das Thema der Überhangmandate. Darüber hinaus blickt er auf die vergangene Legislaturperiode zurück und analysiert die Ausgangslage vor der Wahl 2017.
Auch diese Broschüre können Sie bestellen oder downloaden:
http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/info-aktuell/247719/bundestagswahl-2017

Freitag, 26. Mai 2017

Warum wählen gehen?

„Das gehört sich so!“

Es sind leider nicht viele Länder auf der Welt, in der es freie Wahlen gibt. Wählen gehen ist deshalb auch ein Privileg, das man auf jeden Fall nutzen sollte. Wahlen sind das zentrale Element einer Demokratie, die Möglichkeit schlechthin Einfluss zu nehmen. Das Zitat „Das gehört sich so“ eines Teilnehmers in einem Seminar finde ich deshalb sehr passend.

"Nichtwähler dürfen nicht motzen"

Ein weiteres Zitat eines Teilnehmers, dem ich nicht ganz zustimmen kann. Natürlich gehört die freie Meinungsäußerung zur Demokratie und natürlich dürfen auch die sich beschweren, die nicht zur Wahl gegangen sind. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten sind nichts Schlimmes, im Gegenteil gehören sie zur Demokratie dazu.

Mitmischen – auf allen Ebenen

Meine Bitte an alle Betreuer/innen und Unterstützer/innen:  bei Diskussionen zur Bundestagswahl im Gespräch ist deshalb klarzumachen, dass Wahlen und Mitsprache auf allen Ebenen wichtig ist – vom persönlichen Umfeld, den Arbeitsplatz, die Kommune hin zur großen Politik.

Informationen in leichter Sprache

Es wird zur Bundestagswahl wieder zahlreiche Informationen in leichter Sprache geben. Das Informationsheft der Bundeszentrale für politische Bildung ist bereits erschienen (Bestellmöglichkeit), weitere Informationen werden folgen. Auch die wichtigsten Parteien werden ihre Parteiprogramme wieder in leichter Sprache veröffentlichen.

Viele Gründe zur Wahl zu gehen

Die Broschüre der Bundeszentrale bietet auf Seite 38 sieben Gründe, warum man wählen sollte.
Besonders gefallen mir der Hinweis, dass man auf jeden Fall wählen soll, auch wenn man gar keine Partei gut findet: dann einfach die wählen, die am man am wenigsten schlecht findet.
Ebenso: „Wer wählt zeigt auch: Ich finde Demokratie und Freiheit gut.“
Sehr gut gefällt mir auch die Seite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die gleich 10 Argumente fürs Wählen aufzählt: Wählen ist mein bester Schutz gegen Extremisten und natürlich Grund 1: Es ist ein Recht und Privileg!
Deshalb mein Appell an alle – nutzen Sie dieses Recht und Privileg und gehen Sie am 24. September zur Wahl.

Freitag, 12. Mai 2017

Was wollen die Parteien und Politiker?

Informationen in leichter Sprache


Die wichtigsten Parteien werden ihre Parteiprogramme wieder in leichter Sprache herausbringen. Wer sich also nicht durch die teilweise recht langen „richtigen“ Wahlprogramme quälen will, kann sich hier informieren. Natürlich werden die Programme nicht die inhaltlichen Tiefe haben, aber wer es nicht in leichter Sprache schafft, klarzumachen, schafft es in der Regel auch nicht mit der Langversion.


Berichte von Zeitungen


Tageszeitungen werden vor der Wahl wieder nach Themen geordnet Überblicke bringen. Spannend wird auch die Beantwortung sog. Wahlprüfsteine, die viele Verbände bereits versendet haben.


Internetseiten mit Zusammenfassungen


Wer nicht so lange warten will, dem kann bereits jetzt ich ein paar Seiten empfehlen:
Seite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
Rubrik bei Politische Bildung
Blog zur Bundestagswahl

Freitag, 28. April 2017

Erklärvideos zur Bundestagswahl

Eine gute - und zeitgemäße - Möglichkeit, sich über die Wahl zu informieren, sind Wahlen. In den nächsten Wochen und Monaten werden verschiedene Organisationen Kurzfilme auch in leichter Sprache zur Verfügung stellen.

Die meisten Informationen des Videos des Sozialverbands Deutschland über die Bundestagswahl 2013 sind nach wie vor aktuell. Sie finden auf Video auf Youtube.

Bundestagswahl 2017 einfach erklärt

Mir gefallen die Videos von Expainity gut. Sie bieten zu vielen politischen Themen kompetente Erklärungen. Hier das Video zur Bundestagswahl 2017:



Freitag, 14. April 2017

Aktionstag zur Bundestagswahl

Die Bundestagswahl ist ein guter Anlass, um Demokratie und Mitbestimmungen in den Mittelpunkt zu stellen.

Aktionstag zur Europawahl als Vorbild

Zur Europawahl 2014 haben wir an der Diakonie Stetten einen Europatag veranstaltet. Ziel war über verschiedene europäische Themen zu informieren und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Dazu diente ein Stand der Landeszentrale für politische Bildung mit Informationsmaterial in leichter Sprache und einem Quiz. Ergänzend dazu fanden Kurzseminare statt, in denen sich Teilnehmer/innen mit einem Europapuzzle und einem Film in leichter Sprache über Europa und die Europawahl informieren konnten.
http://www.lutz-redenundschreiben.de/2014/05/09/europatage-in-stetten-und-waiblingen/

Niederschwellige Angebote zum Mitmachen und Mitmischen 

Neben Seminaren und Podiumsdiskussionen werden wir an der Diakonie Stetten einen Aktionstag zur Bundestagswahl durchführen. Neben dem Stand der Landeszentrale für politische Bildung werden die Bildungsangebote an der Diakonie Stetten vorgestellt. In einem Raum können sich die Teilnehmer/innen intensiver mit der Bundestagswahl auseinandersetzen, u.a. dem Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung.

Freitag, 17. März 2017

Podiumsdiskussionen zur Bundestagswahl

Eigene Podiumsdiskussionen mit Kandidat/innen

Etwas aufwendiger als Seminare, aber auf jeden Fall lohnenswert ist die Organisation einer Podiumsdiskussion. Hier können Sie auch gezielt Themen platzieren, die für Ihre Organisation wichtig sind.
Wichtiger Tipp hier: Die Kandidat/innen haben einen vollen Terminkalender, laden Sie deshalb so früh wie möglich ein.
Inhaltlich empfehle ich eine intensive Vorbereitung sowohl der Teilnehmer/innen, z.B. in Form einer Informationsveranstaltung, also auch und der Diskutant/innen durch Informationen über leichte Sprache.

Diskussionen von Zeitungen und anderen Initiativen

Da die Organisation einer eigenen Veranstaltung ziemlich aufwändig ist, bieten sich Kooperationen mit anderen Einrichtungen an. Darüber hinaus werden Zeitungen und andere Einrichtungen Veranstaltungen anbieten. Meine Bitte an Unterstützer/innen und Betreuer/innen: motivieren Sie Ihre Klienten zu dieser Veranstaltung zu gehen und Fragen zu stellen – (nur) so werden diese auf die Anliegen von Menschen mit Behinderungen aufmerksam.